Nutzungsperspektiven für industrielle Abwärme

Unternehmer und kommunale Vertreter im Austausch

„Wie können wir die Wärmewende in unserer Region gemeinsam voranbringen?“ Unter dieser Fragestellung diskutierten knapp 30 Unternehmer und Vertreter der Kommunen auf der „Zukunftswerkstatt Wärmenutzung“ bei der Fa. Hengst in Nordwalde. Die Veranstaltung, zu der die Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt (WESt) eingeladen hatte, fand im Rahmen des INTERREG-VA-Projektes „Wärme in der Euregio – fokussieren und modernisieren (WiEfm)“ statt.

Das Ziel dieses Projektes ist, eine klimafreundliche und nachhaltige Wärmeversorgung in der EUREGIO zu fördern. Die WESt will dies gemeinsam mit den anderen Projektpartnern insbe-sondere durch die Initiierung und Begleitung von Projekten erreichen. Konkrete Maßnahmen und Umsetzungsschritte standen daher im Fokus der Veranstaltung.

Sonja Schemmann, Bürgermeisterin von Nordwalde, berichtete in Ihrem Grußwort von den Aktivitäten der Gemeinde. Die Kommune hat im Bereich der Wärmeversorgung einige Ideen und Ansätze. Jedoch gab es bereits die Erfahrung, dass neue Umstände und Entwicklungen die Umsetzung angedachter Projekte erschweren oder gar verhindern können. Sie freue sich sehr, dass aktuell ein Wärmekataster für das Gemeindegebiet erstellt wird, welches die Ba-sis für konkrete Umsetzungsprojekte bilden soll.

In seiner Vorstellung des Unternehmens Hengst SE & Co. KG präsentierte Romed Gentges, Leiter Endmontage und spanende Fertigung, auch betriebsinterne Wärmelösungen. So nutzt Hengst die Abwärme seiner eigenen Gießerei, um das Bürogebäude zu beheizen. In seinem Vortrag und in der zum Schluss durchgeführten Betriebsbesichtigung zeigte Gentges den Teilnehmern, dass das Familienunternehmen Hengst ein global aufgestellter Entwickler und Hersteller von technologisch führenden Filtrationslösungen ist.

In seiner Funktion als Projektleiter von WiEfm machte Prof. Dr. Christof Wetter von der FH Münster die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt auf zwei aktuelle Entwicklungen aufmerk-sam. Zum einen stellte Wetter das Ergebnis einer münsterlandweiten HotSpot-Analyse vor, die er mit seinem Team erstellt hat. Anhand der Erfassung des Wärmebedarfs für jedes Haus, jedes Unternehmen und jede öffentliche Einrichtung wurden knapp 200 Wärmebe-darfs-HotSpots ermittelt, bei denen sich die Einrichtung eines Wärmenetzes anbieten würde. Zum anderen wies er auf die finanzielle Fördermöglichkeit durch den Wärmegutschein hin. Ansprechpartner für Anträge ist Christian Rapien, der bei der WESt das Projekt betreut.

Ein erfolgreiches Beispiel für die Nutzung von industrieller Abwärme für ein Nahwärmenetz präsentierte Rainer Ellermann, Bürgermeister der Gemeinde Ostercappeln und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Bürgergenossenschaft Venner Energie. In der Gemeinde Os-tercappeln steht Europas größte Waffelfabrik: Fa. Meyer zu Venne. Die bei den Backvorgän-gen entstehende Wärme wird genutzt, um ca. 150 Wohnobjekte zu beheizen. Dadurch wer-den jährlich etwa 1.100 Tonnen CO2 gespart, sowie mehr als 100.000 l Heizöl.

Wie konkrete Wärmelösungen im Kreis Steinfurt aussehen könnten und welche Herausforde-rungen und Chancen sich für die Gemeinden und Kommunen ergeben, darüber diskutierten die Teilnehmer im anschließenden Workshop. Birgit Neyer, Geschäftsführerin der WESt, freute sich über die rege Teilnahme und das große Engagement bei den Teilnehmern und den Referenten. Auf den erarbeiteten Ideen und Ansätzen ließe sich gut aufbauen. Neyer wies darauf hin, dass die Ergebnisse von dieser und von fünf weiteren Zukunftswerkstätten im EUREGIO-Gebiet auf einem Expertenforum am 13. November in Enschede präsentiert werden. Weitere Informationen zum Projekt WiEfm und zu den Wärmegutscheinen für Machbarkeitsstudien unter: www.wiefm.eu