Ausbildung in MINT-Berufen: Technik ist auch was für Frauen

In NRW liegt der Anteil der Frauen, die einen technischen Beruf ausüben, niedriger als in ganz Deutschland. Dabei gilt die geringe Beschäftigung von Frauen in MINT-Berufen als ein Grund dafür, dass sie im Durchschnitt aller Beschäftigten weniger Geld verdienen als Männer. Ein Grund mehr für junge Frauen, noch einmal genau über die Berufswahl nachzudenken. Natal’ja Mauer, IT-Expertin bei der Bundesagentur für Arbeit, hat sich schon als Schülerin nicht von hergebrachten Rollenmodellen irritieren lassen.

Natal’ja Mauer hat in einem MINT-Beruf Karriere gemacht. Dabei kommt die 33-jährige Mitarbeiterin des Regionalen IT-Service (RITS) der Bundesagentur für Arbeit aus einer Familie, die sich für ihre Tochter einen „typischen Mädchenberuf“ gewünscht hatte:

„Wenn ich als Schülerin Zuhause an den PC wollte, war die große Sorge, dass ich etwas kaputt mache,“ erinnert sich Natal’ja Mauer, heute ausgebildete Fachinformatikerin und Teamleiterin IT-Beratung in der Agentur für Arbeit Düsseldorf. „Ich habe mich schon immer für Technik interessiert, aber meine Eltern versuchten, mich zu einer Ausbildung in einem Frauenberuf zu überreden, Bürokauffrau zum Beispiel. Das hat mich aber nicht interessiert.“
Sie fand dann einen Kompromiss mit ihren Eltern. Nach der mittleren Reife besuchte sie erst einmal eine weiterführende Schule: „In der Zeit informierte ich mich weiter über mögliche Ausbildungsberufe, von denen ich mir gut vorstellen konnte, dass sie mir Spaß machen würden. Besonders interessant fand ich die Ausbildung zur Fachinformatikerin für Systemintegration.“

Frauen in MINT-Berufen erfolgreich
Natal’ja Mauer schickte ein halbes Jahr später „einfach mal zehn Bewerbungen los“ – und bekam auf Anhieb drei Zusagen. Ein Ausbilder sagte, „nicht obwohl, sondern weil“ sie ein Mädchen sei: „Mädchen seien kreativ und hörten erstmal zu, wenn man ihnen etwas erklärt. Technische Dinge kann man lernen, Kreativität und Lösungsorientierung dagegen nicht so einfach.“
Natal’ja Mauer entschied sich für die Bundesagentur für Arbeit als Ausbildungsbetrieb – und machte hier Karriere. Aber zunächst musste sie durch die Situation, in einem typischen Männerberuf als Exotin angesehen zu werden: „Immer allein unter Jungs zu sein, die in der Berufsschule den Eindruck erweckten, schon alles zu wissen. Aber die Jungs merkten schnell, dass wir Mädchen auch gut waren.“
Viele Fachverfahren, IT-Sicherheit und auch die Neu- und Weiterentwicklung der Programme sind ihre Aufgaben bei der Bundesagentur für Arbeit: „Ich hatte nie Probleme, ein Mädchen unter vielen Jungs zu sein. Heute führe ich als Teamleiterin auch hauptsächlich Männer, die damit ganz gut klar kommen. Was zählt, ist die Kompetenz und die haben Mädchen genauso wie Jungs.“
Die sogenannten MINT-Berufe bieten für junge Frauen und Männer vielfältige Möglichkeiten und Karriereperspektiven. Noch sind Frauen in den MINT-Berufen unterrepräsentiert. Die Berufsberatungen der Agenturen für Arbeit werben bei Schülerinnen aktiv für technische Berufe.
Für junge Frauen gibt es sechs gute Gründe, sich über eine duale Ausbildung oder ein Studium in MINT-Berufen zu informieren:
(1)    überdurchschnittliches Beschäftigungswachstum bei Frauen
(2)    bessere Verdienstmöglichkeiten
(3)    gute Aufstiegschancen
(4)    mehr Alternativen bei der Berufswahl
(5)    steigende Arbeitskräfte-Nachfrage
(6)    geringeres Risiko von Arbeitslosigkeit
Die Fachinformatikerin der Bundesagentur für Arbeit Natal’ja Mauer bietet nur ein Beispiel dafür, wie Mädchen und Frauen in MINT-Berufen Karriere machen können.

Hintergrund

MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Es handelt sich also nicht um eine homogene Berufsgruppe, der Begriff umfasst vielmehr eine Vielzahl unterschiedlicher Berufe, denen allen gemeinsam ist, dass für die Ausübung weitgehende technische, mathematische oder naturwissenschaftliche Kenntnisse oder Fertigkeiten notwendig sind. #Ausbildung klarmachen...