„Großraum- und Schwertransporte sind unverzichtbar – insbesondere für den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energieinfrastruktur“, erläutert Johannes Sommer. „Damit diese Transporte sicher und effizient durchgeführt werden können und somit der Ausbau zügig vorangehen kann, braucht es eine präzise Planung.“ Das Dreierwalder Unternehmen Sommer ist seit 35 Jahren am Markt – kennt die Branche und weiß dank eines großen Netzwerkes aus erster Hand, wo die Probleme liegen. Aus diesem Praxiswissen heraus entwickelte Sommer ein spezialisiertes Geoinformationsportal für Großraum- und Schwertransporte.
Herzstück der Entwicklung ist das digitale Planungssystem AGNES. Sind Straßen breit genug? Welchen Radius hat der Kreisverkehr? Gibt es kurzfristige Baustellen oder andere Hindernisse? Diese Fragen beschäftigen sowohl die Disponenten, die die Route planen, als auch die Unternehmen, die einen Schwertransport beauftragen. 3D-Route-Scan Fahrzeuge der Fa. Sommer erfassen bundesweit Straßen und verkehrsrelevante Infrastruktur millimetergenau. Selbst kleinste Unterschiede – beispielsweise wenige Zentimeter Höhenunterschied an Brücken – können für einen Großraum-Schwertransport entscheidend sein. Die gewonnenen Daten fließen in die digitale Plattform ein, die zudem im Zwei-Stunden-Takt mit aktuellen amtlichen Informationen zu Baustellen und Straßensperrungen aktualisiert wird. Ergänzt wird das System durch detaillierte 3D-Modelle und Schleppkurvensimulationen für unterschiedlichste Fahrzeugkombinationen. „Beim Transport eines 80 Meter langen Rotorblatts für eine Windkraftanlage zeigt unser System bereits in der Planungsphase, welche Brücken passierbar sind und wie an Engstellen rangiert werden muss“, erklärt Helena Sommer.
Bevor ein Großraum- oder Schwertransport überhaupt starten darf, muss eine umfangreiche Genehmigung eingeholt werden. Unterschiedliche Vorgaben der Bundesländer und zahlreiche Detailanforderungen machen die Antragstellung äußerst komplex. Schon kleine Fehler – etwa ein falsch eingetragenes Achsenbild eines Fahrzeugs – können die Genehmigung um Wochen verzögern.
Mit der digitalen Plattform AGNES X unterstützt Sommer Transportunternehmen bei der Antragstellung. Eine integrierte Plausibilitätsprüfung erkennt typische Fehler bereits vor dem Versand und reduziert Verzögerungen deutlich. Die Anträge können anschließend mit wenigen Klicks direkt an das bundesweite Genehmigungssystem VEMAGS übermittelt werden. Durch das Zusammenspiel der beiden Systeme AGNES und AGNESX lassen sich Planungs- und Genehmigungsprozesse erheblich beschleunigen. Das spart den Unternehmen Zeit, Kosten und wertvolle personelle Ressourcen.
Ein weiteres zukunftsweisendes System trägt den Namen ERNA– der sogenannte digitaler Beifahrer. Während Disponenten früher oftmals hunderte Seiten Genehmigungsunterlagen durcharbeiten und wichtige Fahrauflagen (Überholverbote, mittlere Fahrspur nutzen o.ä.) per Textmarker markieren mussten, übernimmt heute das KI-gesteuerte Tool diese Aufgabe. Fahrerinnen und Fahrer erhalten während der Fahrt per Sprachausgabe alle relevanten Informationen. Die Hinweise stehen in mehreren Sprachen zur Verfügung und sorgen für mehr Sicherheit sowie eine spürbare Entlastung im Fahrbetrieb.
Bei mehr als vier Fahrauflagen pro Genehmigungsbescheid – und dass, so Helga Sommer, sei eher die Regel als die Ausnahme – ist bislang häufig eine zusätzliche Begleitperson erforderlich. Im Rahmen eines Pilotprojekts wird seit 2024 getestet, diese Aufgabe durch den von der Fa. Sommer entwickelten digitalen Beifahrer zu ersetzen. Mit einer ab 2027 erwarteten Neuregelung könnte diese Form der digitalen Unterstützung künftig zum Standard im Großraum- und Schwertransport werden.
Die Softwarelösungen AGNES, AGNES X und ERNA greifen ineinander und bilden einen durchgängigen digitalen Prozess – von der Streckenplanung über die Genehmigungsbeantragung bis hin zur sicheren Durchführung des Transports. Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels helfen digitale Werkzeuge dabei, Arbeitsabläufe zu vereinfachen, Mitarbeitende zu entlasten und neues Personal schneller einzuarbeiten.
Die Entwicklung der Software wurde unter anderem im Rahmen eines Forschungsprojekts des Bundesministeriums für Verkehr unterstützt. Christian Holterhues informierte in diesem Zusammenhang über die Beratungsangebote der WESt und zeigte weitere Anknüpfungspunkte für Forschungs- und Innovationsförderung auf.
Dass das Unternehmen heute als Innovationstreiber der Branche gilt, ist für Geschäftsführerin Helga Sommer das Ergebnis jahrelanger Überzeugungsarbeit. „Unsere Lösungen sind das Ergebnis von viel Herzblut, Erfahrung und einem großartigen Team. Darauf bin ich besonders stolz. Viele unserer Fachkräfte haben ihre Laufbahn mit einer Ausbildung im Unternehmen begonnen“.
Inzwischen arbeitet mit Helena und Johannes Sommer auch die nächste Generation im Familienunternehmen mit und bringt neue Impulse in die Weiterentwicklung der digitalen Lösungen ein.
Mit ihren digitalen Lösungen zeigt die Sommer Gruppe eindrucksvoll, wie mittelständische Unternehmen aus dem Kreis Steinfurt mit Innovationskraft und langjähriger Branchenkenntnis bundesweit Maßstäbe setzen.
Bild v.r.: Christian Holterhues (WESt) mit Helga Sommer sowie Helena Sommer, Tim Evers (Site and Road Assessment Manager) und Johannes Sommer vor einem 3D-Route-Scan Fahrzeug