Die beiden Gründer Simon Greiwing und Frederik Rumpf kennen die Herausforderungen der Branche aus eigener Erfahrung. Aus der Nutzfahrzeugvermietung Greiwing kommend, beschäftigten sie sich intensiv mit der Elektrifizierung von Lkw-Flotten und stellten schnell fest: Der Wunsch nach klimafreundlicher Mobilität ist in vielen Unternehmen vorhanden, häufig scheitert die Umsetzung – insbesondere im Fernverkehr - jedoch an fehlenden Netzkapazitäten. Steigende Anforderungen von Auftraggebern sowie das wachsende Bewusstsein vieler Unternehmen für mehr Klimaschutz treiben die Transformation vom Diesel- zum Elektroantrieb zusätzlich voran. Als langjährige Branchenkenner sprechen die beiden Gründer die Sprache der Logistiker und wissen, wie groß der Veränderungsdruck in der Transportwirtschaft inzwischen ist.
„Wir erleben ein klassisches Henne-Ei-Problem", erklärt Frederik Rumpf. „Viele Unternehmen möchten ihre Flotten elektrifizieren, müssen auf den erforderlichen Netzanschluss aber oft mehrere Jahre warten."
Über ihre guten Netzwerke kamen die beiden Entwickler in Kontakte zum Fraunhofer Institut. Gemeinsam mit dem TÜV Rheinland und CATL, dem Weltmarktführer für Batterien, entwickelten sie daraufhin die Ultra-Schnellladelösung FleetBooster. Das System kombiniert einen leistungsstarken Batteriespeicher mit moderner Hochleistungsladetechnik. Die Speicher werden langsam über den vorhandenen Netzanschluss – je nach Ausführung bereits ab 80 kW – geladen und können die Energie anschließend innerhalb kurzer Zeit mit hoher Leistung von bis zu 800 kW an Elektrofahrzeuge abgeben. So entstehen Schnellladeleistungen auch dort, wo die vorhandene Netzkapazität eigentlich nicht ausreichen würde. Die Batteriespeicher befinden sich in mobilen Lkw-Containern, die an nahezu jedem Ort flexibel aufgestellt werden können.
Das intelligente Energiemanagementsystem „FleetBoost Pulse" wurde in Deutschland entwickelt, die Batteriespeicher stammen von einem spezialisierten Hersteller aus China. Der Markt für Ladeinfrastruktur sei stark reguliert, erläutert Greiwing. Umso wichtiger sei es gewesen, die erforderlichen technischen und regulatorischen Kompetenzen aufzubauen. Das Ergebnis: Die Systeme wurden vom TÜV Rheinland normkonform geprüft und für den Einsatz im Nieder- und Mittelspannungsbereich zugelassen.
FleetBoost versteht sich als Brückenbauer zwischen dezentraler Energieerzeugung und den Unternehmen, die diese Energie benötigen. Energieerzeuger können die mobilen Speicher beispielsweise mit Photovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerken kombinieren und den selbst erzeugten Strom flexibel nutzen. Das steigert die Wirtschaftlichkeit der Anlagen und ermöglicht eine deutlich effizientere Nutzung der vorhandenen Energie – sei es in der Logistik, auf dem Bau, in der Landwirtschaft, auf Events, bei Personenverkehr, Häfen oder Flughäfen – die Einsatzfelder sind vielfältig.
Auf der anderen Seite profitieren Energieabnehmer wie Logistikunternehmen oder Industriebetriebe von einer flexiblen Schnellladeinfrastruktur. Der „FleetBooster 20" liefert Ladeleistungen von bis zu 400 Kilowatt über eine Niederspannungsverbindung, die größere Containerlösung erreicht sogar die doppelte Leistung. Fahrerpausen können zum Laden genutzt werden, Standzeiten werden reduziert und Flotten lassen sich besser planen. Damit trägt die Lösung auch zur Wirtschaftlichkeit elektrisch betriebener Nutzfahrzeuge bei.
Erst 2025 brachte FleetBoost seine ersten Systeme auf den Markt und befindet sich derzeit in der Wachstumsphase. Fünf mobile Batteriespeicher sind bereits im Einsatz. Die Vision der Gründer ist ehrgeizig: Innerhalb der kommenden fünf Jahre sollen 1.000 mobile Systeme Unternehmen beim Umstieg auf die Elektromobilität unterstützen. Inzwischen ist für schwere Nutzfahrzeuge auch eine Förderung durch das Bundesverkehrsministerium möglich.
Christian Holterhues zeigte sich beeindruckt vom Innovationspotenzial des jungen Unternehmens. Im Gespräch wurden auch Möglichkeiten einer weiteren Vernetzung innerhalb der Region diskutiert.
Für Simon Greiwing und Frederik Rumpf ist die Nominierung eine besondere Bestätigung ihrer Arbeit. „Sie ist eine große Anerkennung für unser gesamtes Team und die vielen Stunden, die in die Entwicklung unserer Lösung geflossen sind. Gleichzeitig sind wir stolz darauf, aus der Region heraus Impulse für die Elektrifizierung des Güterverkehrs zu setzen und die Ladeinfrastruktur flexibler, skalierbarer und dort verfügbar zu machen, wo sie gebraucht wird."
Der Name FleetBoost ist dabei Programm (engl. Fleet=Flotte/Boost=Schub): Mit ihren mobilen Batteriespeichern wollen die beiden Gründer Flotten den entscheidenden Schub für den Einstieg in die Elektromobilität geben.