Gerüche wecken wertvolle Erinnerungen - pro-art GmbH aus Emsdetten mit „Mobiler Station der Erinnerung“ für Innovationspreis Münsterland nominiert

Der Duft von frisch gebackenem Apfelkuchen zieht an diesem Nachmittag durch die Räume des Caritas Altenwohnhauses in Ibbenbüren. Einige Bewohnerinnen und Bewohner haben ihn selbst zubereitet und gebacken. Jetzt, beim Nachmittagskaffee, können sie ihn gemeinsam genießen – und dabei in alten Erinnerungen schwelgen. Möglich macht das die „Mobile Station der Erinnerung“. Mit ihrer Entwicklung ist die Firma pro-art aus Emsdetten in der Kategorie „Klein und pfiffig“ für den diesjährigen Innovationspreis Münsterland nominiert.

Kuchen, Waffeln oder einfach mal ein Strammer Max für zwischendurch: „Die mobile Koch- und Backstation ist seit Januar bei uns im Haus und wird oft in den Wohnbereichen oder Speiseräumen genutzt“, schildert Maik Feldmann, Haus- und Pflegedienstleiter der zur Caritas Altenhilfe Tecklenburger Land GmbH gehörenden Einrichtung. Sie ist aber viel mehr als eine schnelle Möglichkeit zum Zubereiten einfacher Speisen. „Die Station gibt dem Tag mehr Sinn und Inhalt und fördert das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner auf vielfältige Weise“, betont Feldmann. Denn viele ältere Menschen und gerade an Demenz Erkrankte verfügten meist nur noch über ein eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis. „Das Hier und Jetzt ist nicht mehr so präsent wie die Kindheits- und Jugenderinnerungen. Aber diese Erinnerungen, die einen wesentlichen Teil unserer Identität ausmachen, können durch Sinneswahrnehmungen wie Gerüche besonders angeregt und ins Gedächtnis gerufen werden. Das gibt ein gutes Gefühl.“

„Klein und pfiffig“ – das ist die mit Rollen versehene Station, die aus einer kleinen Stellfläche, zwei Induktionskochfeldern, einem Einbauschränkchen und einem Backofen besteht. In den Raum schieben, Bremse anziehen, anschließen – und los geht’s. So einfach lässt sich die mobile Küche dort einsetzen, wo sie gebraucht wird. „Als wir auf den Innovationspreis Münsterland und diese besondere Kategorie aufmerksam wurden, war die Idee für die Bewerbung schnell da – und die Nominierung ist bereits ein toller Erfolg“, freut sich Michael Scholz, Geschäftsführer der pro-art GmbH im Gespräch mit WESt-Geschäftsführer Christian Holterhues. Seit 40 Jahren ist das Emsdettener Unternehmen, das vier Mitarbeitende beschäftigt, vor allem für seine Kofferküchen für Messen, Büros oder Singlewohnungen, den sogenannten kit cases, bekannt. Auch in Fernsehstudios zum Beispiel beim Frühstücksfernsehen oder in Serien wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ waren sie schon zu sehen.

Dabei handelt es sich nie um Massenware: „Der individuelle Sonderbau ist unsere Spezialität“, betont Scholz. Da kamen auch schon Anfragen, die jenseits des üblichen Verwendungszwecks lagen. Wie die von Gunther von Hagens, der durch die Ausstellung „Körperwelten“ bekannt wurde. Für seine Ausstellungen entwickelte pro-art spezielle Transport-Flightcases, um die Exponate zu transportieren. 

Besondere Anforderungen und Wünsche der Kunden fließen bei pro-art in die Entwicklung ein. Das war auch bei der „Mobilen Station der Erinnerung“ so, die inzwischen in vielen Altenwohneinrichtungen im Kreis und darüber hinaus eingesetzt wird. Entstanden ist das heutige Modell auch durch den Austausch mit den späteren Nutzerinnen und Nutzern. „Auf einer Messe haben wir uns mit einer Kollegin von Herrn Feldmann ausgetauscht. Dort hat sie ein Vorläufermodell unserer Station gesehen und war begeistert. Sie hat uns aber auch direkt Anregungen und Verbesserungsvorschläge mit auf den Weg gegeben, nach denen wir das jetzige Modell optimiert haben“, erzählt Scholz.

So wurde unter anderem ein umlaufender Haltegriff angebracht, der mehr Sicherheit bietet. Die Elektronik wurde so angepasst, dass die Station an jede Steckdose angeschlossen werden kann. Statt herkömmlicher Kochfelder kommen Induktionsfelder zum Einsatz, damit versehentlich eingeschaltete Kochflächen nicht heiß werden können. Auch optisch lässt sich die Station an ihre Umgebung anpassen: „Wir haben filigranes Aluminium eingesetzt und farblich von Buche bis Grün schon alles gemacht – je nachdem, wie es zur Umgebung der Wohnbereiche am besten passt.“

Die Küche ist traditionell ein wichtiger Ort des Zusammenseins. In vielen Altenwohneinrichtungen liegt sie baulich jedoch eher abseits. „Unsere mobile Station schafft hier eine Möglichkeit für gemeinsames Tun und lässt altbekannte und wohltuende Gerüche wieder in die Räume einziehen. Sie weckt Erinnerungen und Glücksgefühle“, meint Scholz. Doch Erinnerungen und Vorlieben verändern sich mit den Generationen, wie Feldmann weiß: „Wir hören inzwischen auch schon Musik von AC/DC.“

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Plätzchen backen oder Nudeln kochen – vieles ist mit der „Mobilen Station der Erinnerung“ möglich, die Michael Scholz (l.) und seine Tochter Nina Rose, seit einem Jahr mit im Familienunternehmen, WESt-Geschäftsführer Christian Holterhues vorgestellt haben.