KI-Stammtisch-Treffen der WESt in Saerbeck: Wie Unternehmen KI für Wissensmanagement, Prozesse und Zusammenarbeit nutzen können

Rund 150 Teilnehmende kamen am 18. Juni zum 6. KI-Stammtisch für Unternehmen im Kreis Steinfurt in der Bürgerscheune Saerbeck zusammen. Das kostenfreie Format der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt mbH (WESt) richtet sich an Unternehmensverantwortliche aus der Region, die Künstliche Intelligenz bereits einsetzen oder sich praxisnah über konkrete Anwendungsmöglichkeiten informieren möchten.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Christian Holterhues, WESt-Geschäftsführer. Auf der Agenda standen aktuelle Entwicklungen aus der KI-Welt, der Umgang mit Erfahrungswissen in Zeiten des demografischen Wandels, Kooperationsangebote der FH Münster sowie die Frage, wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden auf die Zusammenarbeit mit KI vorbereiten können. Die Vorträge machten deutlich: Unternehmen stehen beim Einsatz von KI vor drei zentralen Aufgaben. Sie müssen mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt halten, Wissen und Prozesse neu organisieren und ihre Mitarbeitenden für die Zusammenarbeit mit KI befähigen.

KI entwickelt sich rasant weiter

Zum Auftakt gab Michael Berndt, KI-Übersetzer und Strategieberater für den Mittelstand, ein Update zu aktuellen Entwicklungen aus der KI-Welt. Er machte deutlich, mit welcher Geschwindigkeit sich KI-Systeme weiterentwickeln und wie stark sich dadurch auch die Anforderungen an Unternehmen verändern. Seine Einordnung: „Die Länge der Aufgaben, die KI bewältigen kann, verdoppelt sich alle vier Monate.“

Damit verschiebt sich der Blick auf KI: Nicht mehr nur einzelne Arbeitsschritte, sondern zunehmend komplexere Aufgabenketten können durch KI unterstützt werden. Für Unternehmen stellt sich dadurch die Frage, wie sie KI nicht nur punktuell einsetzen, sondern systematisch in Prozesse, Entscheidungswege und Geschäftsmodelle integrieren können.

Berndt verwies zugleich auf die wachsenden Möglichkeiten KI-gestützter Assistenzsysteme: „Jeder hat die Möglichkeit, eine kleine KI-Agenten-Armee zu bauen.“ Entscheidend sei dabei weniger die abstrakte Leistungsfähigkeit der Technologie als vielmehr die Fähigkeit, konkrete Probleme zu erkennen und KI kreativ zur Lösung einzusetzen. Sein Appell an die Teilnehmenden lautete: „Seid kreativ im Umgang mit KI und bei ihrer Verwendung für Problemlösungen. Das limitierende Element sitzt in der Regel vor dem Rechner. Die Nutzung ist meist nur ungewohnt. Das sollten wir ändern.“

Für Unternehmensverantwortliche bedeutet das: Der Einstieg in KI muss nicht zwingend mit großen Transformationsprojekten beginnen. Häufig liegt der erste Nutzen darin, bestehende Aufgaben, Informationsflüsse oder wiederkehrende Prozesse genauer zu betrachten und zu prüfen, wo KI entlasten, strukturieren oder beschleunigen kann.

Erfahrungswissen sichern, bevor es verloren geht

Wie KI beim Wissensmanagement helfen kann, zeigte Prof. Dr. Johannes Schwanitz vom Institut für Prozessmanagement und Digitale Transformation (IPD) der FH Münster in seinem Vortrag. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und zunehmender Renteneintritte wird der Verlust von Erfahrungswissen für viele Betriebe zu einer konkreten Herausforderung.

Schwanitz machte deutlich, dass Wissen in Unternehmen häufig an einzelne Personen gebunden ist: an langjährige Mitarbeitende, an gewachsene Routinen, an Erfahrungswerte und an informelle Abläufe. Wenn dieses Wissen nicht systematisch gesichert wird, geht es mit dem Ausscheiden erfahrener Fachkräfte häufig verloren. KI kann hier unterstützen, indem sie Prozesse dokumentiert, Expertenwissen strukturiert und daraus nutzbare Wissenselemente entwickelt.

Dabei geht es nicht allein um klassische Dokumentation. KI kann als Prozess-Modellierer und Co-Creator eingesetzt werden, um aus vorhandenen Dokumenten, Interviews, Erfahrungsberichten oder Prozessbeschreibungen Leitfäden, Lernmedien und Tutorials zu entwickeln. Schwanitz brachte den Nutzen für die Prozessmodellierung auf den Punkt: „Mit Hilfe von KI als Co-Creator kann bei der Prozessmodellierung endlich der Turbo gezündet werden!“

Auch die Qualität der Interaktion mit KI wurde thematisiert. Schwanitz formulierte augenzwinkernd: „Ich habe den Eindruck, die KI versteht einen besser als viele andere. Auch die Ansprache ist häufig beeindruckend.“ Gerade diese niedrigschwellige Nutzbarkeit kann Unternehmen helfen, Mitarbeitende stärker in die Wissenssicherung einzubeziehen und Hemmschwellen abzubauen.

Kooperationen mit der FH Münster als Einstieg

Im Anschluss stellten Prof. Dr. Thorsten Kliewe und Clemens Wernsmann von der FH Münster KI-basierte Studierenden-Projekte und Kooperationsangebote für Unternehmen aus dem Kreis Steinfurt vor. Gemeinsam zeigten sie, wie Unternehmen praxisnahe Fragestellungen aus dem eigenen Betrieb zusammen mit Studierenden bearbeiten können.

Solche Kooperationsformate bieten insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen einen niedrigschwelligen Einstieg. Sie ermöglichen es, erste Ideen zu prüfen, konkrete Anwendungsfälle zu identifizieren und externe Perspektiven einzubinden, ohne direkt umfangreiche interne Ressourcen aufzubauen. Themen können beispielsweise aus den Bereichen Prozessoptimierung, Datenanalyse, Automatisierung, Kommunikation oder Wissensmanagement entstehen.

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Michael Berndt, KI-Übersetzer und Strategieberater für den Mittelstand
Prof. Dr. Johannes Schwanitz, Institut für Prozessmanagement und Digitale Transformation (IPD) / FH Münster
Prof. Dr. Thorsten Kliewe & Clemens Wernsmann, FH Münster
Die Organisator*innen und Referent*innen: Varvara Leinz (WESt), Verena Dondorf (Fraunhofer IEM), Christian Holterhues (WESt mbH), Michael Berndt (KI-Experte), Prof. Dr. Johannes Schwanitz (FH Münster) und Prof. Dr. Thorsten Kliewe (FH Münster).