KI entwickelt sich rasant weiter
Zum Auftakt gab Michael Berndt, KI-Übersetzer und Strategieberater für den Mittelstand, ein Update zu aktuellen Entwicklungen aus der KI-Welt. Er machte deutlich, mit welcher Geschwindigkeit sich KI-Systeme weiterentwickeln und wie stark sich dadurch auch die Anforderungen an Unternehmen verändern. Seine Einordnung: „Die Länge der Aufgaben, die KI bewältigen kann, verdoppelt sich alle vier Monate.“
Berndt verwies zugleich auf die wachsenden Möglichkeiten KI-gestützter Assistenzsysteme: „Jeder hat die Möglichkeit, eine kleine KI-Agenten-Armee zu bauen.“ Entscheidend sei dabei weniger die abstrakte Leistungsfähigkeit der Technologie als vielmehr die Fähigkeit, konkrete Probleme zu erkennen und KI kreativ zur Lösung einzusetzen. Sein Appell an die Teilnehmenden lautete: „Seid kreativ im Umgang mit KI und bei ihrer Verwendung für Problemlösungen. Das limitierende Element sitzt in der Regel vor dem Rechner. Die Nutzung ist meist nur ungewohnt. Das sollten wir ändern.“
Erfahrungswissen sichern, bevor es verloren geht
Wie KI beim Wissensmanagement helfen kann, zeigte Prof. Dr. Johannes Schwanitz vom Institut für Prozessmanagement und Digitale Transformation (IPD) der FH Münster in seinem Vortrag. Schwanitz machte deutlich, dass Wissen in Unternehmen häufig an einzelne Personen gebunden ist: an langjährige Mitarbeitende, an gewachsene Routinen, an Erfahrungswerte und an informelle Abläufe. Wenn dieses Wissen nicht systematisch gesichert wird, geht es mit dem Ausscheiden erfahrener Fachkräfte häufig verloren. KI kann hier unterstützen, indem sie Prozesse dokumentiert, Expertenwissen strukturiert und daraus nutzbare Wissenselemente entwickelt.
Dabei geht es nicht allein um klassische Dokumentation. KI kann als Prozess-Modellierer und Co-Creator eingesetzt werden, um aus vorhandenen Dokumenten, Interviews, Erfahrungsberichten oder Prozessbeschreibungen Leitfäden, Lernmedien und Tutorials zu entwickeln. Auch die Qualität der Interaktion mit KI wurde thematisiert. Schwanitz formulierte augenzwinkernd: „Ich habe den Eindruck, die KI versteht einen besser als viele andere. Auch die Ansprache ist häufig beeindruckend.“
Kooperationen mit der FH Münster als Einstieg
Im Anschluss stellten Prof. Dr. Thorsten Kliewe und Clemens Wernsmann von der FH Münster KI-basierte Studierenden-Projekte und Kooperationsangebote für Unternehmen aus dem Kreis Steinfurt vor. Solche Kooperationsformate bieten insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen einen niedrigschwelligen Einstieg. Sie ermöglichen es, erste Ideen zu prüfen, konkrete Anwendungsfälle zu identifizieren und externe Perspektiven einzubinden, ohne direkt umfangreiche interne Ressourcen aufzubauen. Themen können beispielsweise aus den Bereichen Prozessoptimierung, Datenanalyse, Automatisierung, Kommunikation oder Wissensmanagement entstehen.
Kliewe ermutigte die Unternehmen zu einem pragmatischen Vorgehen: „Wir sollten einfach loslaufen, egal wo wir stehen.“
Mensch und Organisation im Mittelpunkt
Den Blick auf die organisatorischen Voraussetzungen richtete Verena Dondorf vom Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM in ihrem Vortrag. Sie machte deutlich, dass der erfolgreiche Einsatz von KI nicht allein eine technische Frage ist. Entscheidend ist, ob Mitarbeitende KI verstehen, akzeptieren und kompetent anwenden können.
Dondorf betonte, dass Unternehmen nicht nur Tools bereitstellen, sondern auch Kompetenzen aufbauen und Räume für Erprobung schaffen müssen. Neben einem grundlegenden Verständnis für Funktionsweisen, Möglichkeiten und Grenzen von KI werden Kenntnisse im Umgang mit generativen KI-Anwendungen, analytischen KI-Tools sowie in der kritischen und ethischen Einordnung wichtiger. Dondorf verwies darauf, dass sich diese Anforderungen weiterentwickeln werden. Zugleich beschrieb sie KI als Veränderung, die weit über IT-Abteilungen hinausreicht: „KI ist ein soziales Thema“. Mitarbeitende würden KI nicht nur am Arbeitsplatz, sondern zunehmend auch im privaten Alltag begegnen. Dadurch steigen Neugier und Nutzungsbereitschaft, zugleich können sich Unsicherheiten und Ängste schneller verstärken. Unternehmen sollten diese Entwicklung aktiv aufgreifen, Orientierung geben und den Umgang mit KI konstruktiv gestalten.
Dondorf fasste ihre zentrale Empfehlung zusammen: „Wir sollten unsere Organisation vorbereiten, das heißt die Akzeptanz und Kompetenz für KI steigern.“ Möglich sei dies durch niedrigschwellige, spielerische, günstige und schnell umsetzbare KI-Angebote im Unternehmen. Beispiele reichen von KI-Sprechstunden und KI-Mentoring über KI-Experimentierformate bis hin zu Ideenwettbewerben, Lernangeboten oder interaktiven Formaten, in denen Mitarbeitende konkrete Anwendungsfälle ausprobieren können.
Die nächsten KI-Stammtisch-Treffen finden am 17.09.2026 am Technologie-Campus Steinfurt der FH Münster mit dem Schwerpunkt „KI in Marketing und Vertrieb“ sowie am 02.12.2026 in der Bürgerhalle Wettringen mit dem Schwerpunkt „Praxisberichte“ statt. Weitere Infos: https://www.westmbh.de/news-events