Rund 60 Unternehmensverantwortliche aus dem Kreis Steinfurt und darüber hinaus kamen zusammen, um sich über ESG (Environmental, Social und Governance – auf Deutsch Umwelt, Soziales und Unternehmensführung), nachhaltige Geschäftsmodelle und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten im betrieblichen Alltag auszutauschen. Die Veranstaltung fand im Rahmen des EU-Projekts ESG4SMEs statt.
Organisiert wurde das Treffen von der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt mbH (WESt), dem Accreditation Council for Entrepreneurial and Engaged Universities (ACEEU) sowie energieland2050 e. V. des Kreises Steinfurt. Vertreten waren Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, darunter Industrie, Dienstleistungen und Beratung.
Nach der Begrüßung durch Christian Holterhues, WESt mbH, und Prof. Dr. Thorsten Kliewe, ACEEU, gab Prof. Dr. Florian Lüdeke-Freund, Professor für Corporate Sustainability an der ESCP Business School, einen fachlichen Impuls zur zukunftsorientierten Weiterentwicklung deutscher Geschäftsmodelle. In seiner Keynote „Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz trotz Krise“ machte er deutlich, dass Nachhaltigkeit, Transformation von Geschäftsmodellen und unternehmerische Resilienz eng miteinander verbunden sind.
Nachhaltigkeit als Teil der Unternehmensstrategie
Grundlage des Vortrags war eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Sie zeigt: Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle strategisch weiterentwickeln, stärken nicht nur ihre Wettbewerbsfähigkeit, sondern schaffen zugleich wichtige Voraussetzungen für mehr Resilienz und Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit wurde damit nicht als zusätzliche Aufgabe, sondern als Bestandteil einer langfristig tragfähigen Unternehmensstrategie eingeordnet.
Im Anschluss standen moderierte Austauschrunden im Mittelpunkt. An vier Thementischen diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über regionale Netzwerke und Kooperationen, den Einsatz von KI im Nachhaltigkeitsmanagement, interne Nachhaltigkeitskommunikation und Mitarbeiterbeteiligung sowie praxisnahe Tools und Methoden für den Einstieg ins Nachhaltigkeitsmanagement.
Dorothee Meier, B.A.U.M. Consult GmbH, Ursula Wermelt, energieland2050 e. V. des Kreises Steinfurt, und Jan-Philipp Peperhowe, Kreislaufwirtschaftsregion Münsterland, tauschten sich mit den Teilnehmenden über bestehende und künftige Vernetzungsangebote aus. Im Fokus stand die Frage, welche Formate nachhaltigkeitsinteressierte Unternehmen in der Region benötigen, um Erfahrungen zu teilen, Kooperationen aufzubauen und voneinander zu lernen. Vorgestellt wurden unter anderem der ÖKOPROFIT-Klub, der energieland2050-Stammtisch, die Fokusgruppen im Projekt Kreislaufwirtschaftsregion Münsterland sowie Angebote der Effizienz-Agentur NRW.
Christian Holterhues diskutierte mit den Teilnehmenden über die Rolle von Künstlicher Intelligenz im Nachhaltigkeitsmanagement. Deutlich wurde: KI kann bei Analyse, Strukturierung und Formulierung unterstützen, ersetzt jedoch nicht die Einbindung der Mitarbeitenden, den persönlichen Dialog und die konkrete Umsetzung im Unternehmen. Auch Datenschutzfragen spielen weiterhin eine wichtige Rolle. In einigen Unternehmen besteht der Wunsch, bestimmte Aufgaben aus Datenschutzgründen weiterhin bewusst durch Menschen bearbeiten zu lassen.
Tim Riedel, Geschäftsführer von planetgroups und Programmverantwortlicher im Green Teams Netzwerk, stellte die geförderte Plattform „Green Teams Netzwerk“ vor. Green Teams sind Gruppen von Menschen, die sich gemeinsam am Arbeitsplatz für mehr Nachhaltigkeit einsetzen. Das Netzwerk unterstützt Green Teams und ihre Organisationen mit einer Plattform für Austausch, Wirksamkeit und gemeinsames Lernen sowie durch Veranstaltungen, Weiterbildungen und weitere Angebote.
Prof. Dr. Thorsten Kliewe und Varvara Leinz, WESt mbH, sammelten an einem weiteren Thementisch Rückmeldungen zu bereits eingesetzten Tools, aktuellen Herausforderungen und konkreten Unterstützungsbedarfen in den Unternehmen.
In den Diskussionen wurde deutlich, dass die teilnehmenden Unternehmen bei ESG und Nachhaltigkeit an unterschiedlichen Ausgangspunkten stehen. Entsprechend groß war das Interesse an Orientierung, regionalem Erfahrungsaustausch und praktikablen Ansätzen für die Umsetzung.
Unternehmen in Europa unterstützen
Ein wichtiger Programmpunkt war die Vorstellung zentraler Ergebnisse aus dem EU-Projekt ESG4SMEs durch Prof. Dr. Thorsten Kliewe. Ziel des Projekts ist es, kleine und mittlere Unternehmen in Europa dabei zu unterstützen, Umwelt-, Sozial- und Governance-Prinzipien in ihre tägliche Arbeit zu integrieren. Im Rahmen des Projekts wurden unter anderem ein Online-Weiterbildungskurs für Nachhaltigkeitsverantwortliche sowie eine App in Form eines „Simulation Games“ entwickelt. In einer virtuellen Unternehmensumgebung sollen Nutzerinnen und Nutzer ESG-Prinzipien anwenden, Entscheidungen auf Basis von ESG-Daten treffen und deren Auswirkungen auf die Unternehmensleistung nachvollziehen können. Beide Angebote stehen Unternehmen ab Projektende im Mai 2026 kostenfrei zur Verfügung.
Zum Abschluss wurden zentrale Erkenntnisse aus den Austauschrunden zusammengetragen. Das Fazit: Nachhaltige Transformation gelingt vor allem dann, wenn Unternehmen strategisch vorgehen, Beschäftigte aktiv einbinden, regionale Kooperationen nutzen und auf praxistaugliche Instrumente zurückgreifen.
Die im Rahmen der Veranstaltung vorgestellten Materialien wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Nachgang zur Verfügung gestellt. Unternehmen, die weitere Informationen wünschen oder sich individuell vernetzen möchten, können sich an die WESt mbH und ihre Partner wenden.
Ansprechpartnerin:
Varvara Leinz
Tel.: 02551/69-2785
E-Mail: varvara.leinz@westmbh.de
Weitere Informationen zum Projekt: www.esg4smes.eu
Hinweis: Das Projekt ESG4SMEs wird mit Unterstützung der Europäischen Union finanziert.