Es ist nicht das erste Mal, dass das vor 30 Jahren gegründete Unternehmen, im Rennen um den in der Region renommierten Preis ist – und ihn auch gewonnen hat. Zuletzt 2022 hat die CLK, die innovative Automatisierungslösungen mit intelligenter Bildverarbeitung und Robotik vor allem für komplexe Probleme in der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie entwickelt, die Siegertrophäe für den in Kooperation mit der FH Münster entwickelten MultiCheck erhalten.
Nun ist sie in der gleichen Kategorie mit dem DeepHyperCheck nominiert. Dieser erkennt Fremdkörper wie kleine, nur wenige Millimeter große Plastikfolienstücke, die mit bisherigen Kontrollsystemen, wie Röntgensysteme oder Metalldetektoren, nicht zu finden sind.
Zurzeit steht das zweite Prüfsystem dieser Art kurz vor der Auslieferung an einen großen, deutschen Lebensmittelhersteller aus dem Münsterland. Zwei Jahre hat die CLK gemeinsam mit der TH Nürnberg an dem Projekt gearbeitet. Das Problem war seit langem bekannt: Ein Lebensmittelproduzent aus der Region hatte sich an Geschäftsführer Dr. Carsten Cruse und sein Entwicklerteam gewandt, das daraufhin den DeepHyperCheck entwickelte.
Über ein Förderband laufende Produkte werden automatisch analysiert und bei Bedarf aussortiert. Das erhöht die Lebensmittelsicherheit und verhindert kostspielige Produktrückrufe. Das Besondere: Der DeepHyperCheck spürt die Fremdkörper innerhalb des Produktes auf – etwa Folienreste, die sich in Chicken-Nuggets, Burger Patties oder zwischen Wurstscheiben befinden. Gefördert wurde die Entwicklung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Projekts DeteKTiL.
Was zunächst einfach klingt, stellte die Entwickler vor eine besondere Herausforderung. „Um Kunststofffremdkörper sichtbar zu machen, muss das Lebensmittel mit sehr starkem Licht durchleuchtet werden. Herkömmliche Lichtquellen erzeugen dabei jedoch Wärme – ein Problem für empfindliche Lebensmittel. Erst die Entwicklung einer leistungsstarken, gleichzeitig aber nahezu wärmefreien Beleuchtung machte den Einsatz des Systems im laufenden Produktionsprozess möglich“, erklärt Carsten Cruse. Das zeigt: Innovation besteht oft nicht aus einer einzelnen genialen Idee, sondern aus dem Lösen vieler kleiner technischer Probleme.
Die hier zum Einsatz kommende Hyperspektraltechnik gab es bereits, ebenso Systeme zur Fremdkörpererkennung. Neu ist beim DeepHyperCheck die Kombination aus Durchlicht, Hyperspektraltechnik und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), insbesondere mit dem Ziel, transparente Kunststofffolien und andere schwer erkennbare Kunststofffremdkörper innerhalb von Lebensmitteln im laufenden Produktionsprozess zuverlässig zu erkennen.
In einer Lebensmittelproduktion laufen Förderbänder oft rund um die Uhr. Wenn ein Prüfsystem ausfällt oder Fehlentscheidungen trifft, kann das erhebliche Folgen haben. Daher ist für das Team eines entscheidend: „Das Toolset für die Industrie muss grundsolide funktionieren“, erläutert Simon Wüllhorst.
Der Praxisbezug ist auch das, was den 35-Jährigen nach wie vor an seiner Arbeit begeistert. Den Wechsel von der Hochschule in die Wirtschaft hat der Informatiker nie bereut. Schon während seiner Studienzeit an der FH Münster arbeitete er bei CLK an Verfahren des Deep Learning, also KI-Prozessen. „Forschung endet hier nicht im Labor, sondern mündet in Lösungen für den industriellen Einsatz“, so der 35-Jährige.
Weiterentwicklungen des Systems sind in Arbeit. In einem nächsten Schritt werden mit Hilfe von KI weitere Daten wie der Fettgehalt im Fleisch erfasst. „Die Möglichkeiten für das Prozessmonitoring und die Prozessoptimierung sind unendlich. Das ist für einen ganzheitlichen Produktionsprozess von großem Vorteil“, so Cruse.
WESt-Geschäftsführer Christian Holterhues betont: „Wir freuen uns sehr über Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen – genau solche Partnerschaften fördern wir aktiv über unsere Initiative TRAIN (Transfer und Innovation im Kreis Steinfurt).“ Gleichzeitig wies er auf den KI-Stammtisch der WESt hin, der für das Entwicklerteam interessant sein könnte, um sich über aktuelle Entwicklungen und mögliche Anwendungen auszutauschen.
Für die CLK GmbH aus Altenberge heißt es nun warten bis zur feierlichen Verleihung des Innovationspreises Münsterland am 29. September. Cruse: „Wir waren schon einmal dort – und kommen gerne wieder!“