Bereits 2012 hatten Michael Hans, damals Lagerleiter und Betriebsratsvorsitzender, und der damalige Geschäftsführer Richard Sievers das Unternehmen inklusive des polnischen Tochterunternehmens mit 100 Mitarbeitenden im Rahmen eines Management-Buyouts – einer Übernahme durch das bestehende Management und Schlüsselmitarbeitende – aus dem NORDENIA-Konzern übernommen.
Damals befand sich der Hersteller von Schüttgutverpackungen in einer schwierigen Phase. „Das war keine einfache Situation für unsere Väter, die damals Mitte 50 waren“, erinnern sich die heutigen Geschäftsführer. Die Konzernleitung habe damals vorgegeben, nicht in das Unternehmen zu investieren und Stellen abzubauen, obwohl das Geschäft florierte und eigentlich Potenzial für weiteres Wachstum hatte. Als der Konzern das Unternehmen abstoßen wollte, sprangen Hans und Sievers ein und führten es als inhabergeführtes Unternehmen fort. Sie reaktivierten sofort mit dem Namen EMPAC den damaligen Gründungsnamen des Unternehmens.
Der Wechsel machte vieles möglich, das unter Konzernbedingungen nicht umsetzbar gewesen war: Das Führungsduo konnte gezielt investieren, eigenständig eine langfristige Strategie des Unternehmens mit Ausrichtung auf den Pharmasektor bestimmen und Entscheidungen stärker an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden ausrichten. „Es herrschte Aufbruchstimmung. Bereits entlassene Kolleginnen und Kollegen wurden zurückgeholt, und das Unternehmen firmierte bald wieder unter seinem ursprünglichen Namen“, schildert Sebastian Hans.
Vor zwei Jahren übernahmen der Betriebswirt und der Wirtschaftsingenieur Sievers die Geschäftsführung der EMPAC GmbH. Beide hatten in den Jahren zuvor bereits Erfahrungen im Betrieb gesammelt und kannten Abläufe, Mitarbeitende und Strukturen genau. Zu Beginn war die Übernahme kein festes Ziel – sie starteten offen im Unternehmen und wuchsen mit den Aufgaben in ihre heutige Verantwortung hinein. „Unsere Väter haben viel aufgebaut, das wir heute den aktuellen Rahmenbedingungen angepasst fortführen. Allerdings haben wir in den Jahren zuvor auch eigene Impulse gesetzt, etwa was die Themen Mitarbeiterbindung, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft angeht“, erklärt Sievers. Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, nutzen beide regelmäßig die Angebote der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt (WESt), vor allem in Form vonVeranstaltungen und Beratungen.
Die Übergabe verlief bewusst fließend. „Unsere Väter stehen uns auch weiter zur Verfügung, wenn wir ihren Rat brauchen. Anders als oft beklagt, war es bei uns aber kein Problem, dass die Seniorchefs nicht loslassen“, sagt Hans lächelnd. „Es ist sehr bereichernd, dass wir die Geschäfte zu zweit führen. Wir sind in ständigem Austausch und arbeiten Hand in Hand: Ich konzentriere mich auf Finanzen, Sebastian auf Managementsysteme und Entwicklung.“ Auf Kontinuität wird auch im Umgang mit langjährigen Mitarbeitenden großer Wert gelegt. „Unser Nachwuchs bringt frische Impulse ein, gleichzeitig sichern wir das Wissen erfahrener Fachkräfte. So unterstützt unser ehemaliger Laborleiter weiterhin im Labor, und im Verkauf haben wir eine Führungsposition intern nachbesetzt.“
Was ist heute anders als zu der Zeit, als ihre Väter die Firma übernommen haben? „Es sind deutlich herausforderndere Zeiten: Ukraine-Krieg, steigende geopolitische Unsicherheiten und umfangreichere Dokumentationspflichten. Wir haben heute weniger Planungssicherheit als noch vor 20 Jahren. Gleichzeitig sind wir froh, dass wir trotz unseres Schwerpunkts auf die Pharmabranche breit aufgestellt sind und keine Abhängigkeiten bestehen wie in der Automobilzulieferbranche. Unser Ziel ist es, dass unsere Mitarbeitenden langfristig sichere Arbeitsplätze haben“, so Sievers.
Der Blick nach vorne ist klar: EMPAC soll als innovativer Arbeitgeber bestehen bleiben, die Betriebsführung modern und nachhaltig gestaltet werden – mit dem Wissen der erfahrenen Generation als Grundlage und den strategischen Impulsen der Nachfolger, die das Unternehmen aktiv in die Zukunft tragen. Ihr Rat an Geschäftsführende, die ihr Unternehmen an die nächste Generation übergeben möchten: „Druck vermeiden, Zeit lassen und auf Vertrauen sowie sorgfältige Abstimmungen setzen – das ist entscheidend für eine erfolgreiche Nachfolge.“