Mit ihrem Geschäftsmodell „Sammlung und Gewinnung von Edelmetallen aus verbrauchten Zündkerzen & Katalysatoren“ ist CRP seit 2016 erfolgreich am Markt. Die Anfänge des Unternehmens liegen – wie bei vielen erfolgreichen Gründungen – in der Garage der Eltern von Oliver Heeger. Aus einer einfachen Fragestellung entwickelte sich eine Geschäftsidee: Warum landen gebrauchte Zündkerzen im Schrott, obwohl sie wertvolle Edelmetalle enthalten? Eine wirtschaftliche Lösung für das Recycling dieser Kleinstbauteile gab es damals praktisch nicht.
„Wir haben uns gefragt, warum diese Rohstoffe verloren gehen, obwohl sie sich wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückführen lassen“, erinnert sich Matthias Janz. „Damit gehörten wir zu den ersten Unternehmen, die das Thema Zündkerzenrecycling systematisch angegangen sind.“
CRP entwickelte ein bundesweites Rücknahmesystem für Industriemotoren- und Kfz-Werkstätten. Diese erhalten Sammelboxen, die nach der Befüllung per Retourenlabel nach Hörstel zurückgeschickt werden. Die enthaltenen Edelmetalle werden zurückgewonnen und die Werkstätten für die eingesendeten Zündkerzen vergütet – eine zusätzliche Einnahmequelle für die Betriebe. Darüber hinaus recycelt das Unternehmen Edelmetalle aus ausgedienten Industriekatalysatoren, wie sie beispielsweise in Blockheizkraftwerken, Industriemotoren, Kaffeeröstereien oder Lackierbetrieben eingesetzt werden. Gerade in den Anfangsjahren bildete außerdem die Vermietung von Lagerflächen ein wichtiges wirtschaftliches Standbein.
Auch heute bewegt sich CRP mit seinem Geschäftsmodell weiterhin in einer absoluten Nische. Insgesamt beschäftigt CRP 16 Mitarbeitende, viele davon in Teilzeit. Denn die Trennung der Elektroden erfolgt bislang überwiegend in Handarbeit – eine Tätigkeit, die viel Konzentration und Ausdauer erfordert. Je nach Material werden so zwischen 600 und 800 edelmetallhaltige Zündkerzen pro Stunde verarbeitet. Ein sehr kleiner Teil jeder Zündkerze besteht aus den wertvollen Edelmetallen, der verbleibende Anteil wird ebenfalls dem Recycling zugeführt. Die anschließende chemische und thermische Aufbereitung der Edelmetalle übernimmt ein spezialisierter externer Partner.
Derzeit arbeitet das Unternehmen intensiv daran, den Trennprozess zu automatisieren. Eine besondere Herausforderung stellen dabei die unterschiedlichen Bauformen der Zündkerzen sowie die stetig wechselnden Materialzusammensetzungen dar. Aufgrund der gestiegenen Edelmetallpreise passen Hersteller ihre Legierungen kontinuierlich an, was den Automatisierungsprozess zusätzlich erschwert.
Die bei CRP gewonnenen Edelmetalle – darunter Platin, Palladium, Rhodium und Iridium – werden an der Edelmetallbörse angeboten. Ein Teil des Materials fließt zudem direkt zurück an namhafte Hersteller von Zündkerzen und steht damit erneut als Rohstoff zur Herstellung von neuen Zündkerzen zur Verfügung.
Mehr als eine Million Zündkerzen aus rund 4.500 Werkstätten in ganz Deutschland erreichen inzwischen jedes Jahr den Standort in Hörstel. Mit den steigenden Mengen wurden auch die Prozesse kontinuierlich weiterentwickelt.
„Wir möchten gesund wachsen. Unsere Strukturen müssen mit dem Unternehmen mitwachsen“, beschreiben Heeger und Janz die weitere Unternehmensstrategie. Ein entscheidender Hebel dafür sei die geplante Automatisierung der Prozesse.
Auch über mögliche Kooperationen wurde während des Besuchs gesprochen. Christian Holterhues stellt unter anderem den Kontakt zur Initiative TRAIN her – einem gemeinsamen Angebot der WESt und der FH Münster, das Unternehmen bei Innovations- und Forschungsprojekten unterstützt. Zudem informierte er über mögliche Anknüpfungspunkte zum Projekt TOR@Münsterland. Ziel des Projekts ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre technologische und operative Resilienz zu stärken und sich langfristig zukunftssicher aufzustellen.
Ein bedeutender Meilenstein für die weitere Unternehmensentwicklung ist bereits erreicht: In Absprache und mit Unterstützung der Stadt Hörstel konnten die beiden Geschäftsführer ein 3.600 Quadratmeter großes, angrenzendes Grundstück erwerben. Dort soll 2027 eine neue Produktionshalle entstehen. Dass das Unternehmen auch künftig in Hörstel wächst, ist beiden besonders wichtig. Entsprechend wurde bereits bei den bisherigen Baumaßnahmen bewusst auf regionale Unternehmen gesetzt.
Das Geschäftsmodell von CRP verbindet wirtschaftlichen Erfolg mit nachhaltigem Ressourcenschutz. Durch die Rückgewinnung von Edelmetallen werden wertvolle Rohstoffe im Kreislauf gehalten und der Bedarf an Primärförderung reduziert. Nach Unternehmensangaben konnten durch die im Jahr 2025 recycelten Edelmetalle rund 700 Tonnen CO₂ gegenüber der Gewinnung in Minen eingespart werden – das entspricht etwa den Emissionen aus der Verbrennung von rund 250.000 Litern Heizöl. Gleichzeitig werden Edelmetalle gewonnen, die ansonsten überwiegend aus Ländern wie Südafrika oder Russland stammen.
Zum Abschluss des Besuchs fragte Christian Holterhues nach der Bedeutung der Nominierung für das Unternehmen.
„Wir sind schon ein bisschen stolz, zeigen zu können, was wir hier aufgebaut haben. Die Nominierung sorgt bereits jetzt für mehr Aufmerksamkeit und neue Kontakte – darüber freuen wir uns sehr.“
Für die fünf nominierten Unternehmen aus dem Kreis Steinfurt heißt es nun: Daumen drücken bis zur Verleihung des Innovationspreises Münsterland 2026 im September.